Der Chor

Die Geschichte des Ulmer Posaunenchors

Von der Stuttgarter Jahrestagung des Evangelischen Jünglingsbunds brachten 1899 die Ulmer Vertreter die Idee mit, auch in Ulm einen Posaunenchor ins Leben zu rufen. Schon im Mai 1900 wagte sich eine Gruppe von sechs Bläsern mit ihren Instrumenten – Flügelhörnern, Tenorhorn und Tuba in unterschiedlicher Stimmung, aber ohne Posaune – erstmals an die Öffentlichkeit. Bereits ein Jahr später war dieses „Posaunen“-Chörlein sogar beim ersten Landesposaunentag in Esslingen und damit ein bemerkenswerter Teil der dort gezählten 177 Bläser.

Die ersten Übungslokale des Ulmer Posaunenchors befanden sich in der Ulmer Gasse in einer Seifenfabrik und bald danach in den Räumen des CVJM zwischen dem Neuen Graben und der Sterngasse. Chorleiter seit der Gründung war (bis 1937) der Schreinermeister Wilhelm Kiehlneker aus der benachbarten Deinselsgasse. Schon in den ersten Jahren fanden sich Ulmer Bläser fürs Choralblasen vom Münsterturm. In den 20er Jahren bemühten sich offensichtlich mit Erfolg neben Kiehlneker zeitweise auch Berufsmusiker um eine musikalische Weiterentwicklung des Chors. Dies führte allerdings 1924 dazu, dass die meisten der damals 25 Aktiven mit ihrem Dirigenten, einem Militärmusiker, den Chor verließen. Bald danach aber konnte Kielneker mit dem Chor wieder in gewohnter Stärke auftreten. Trotz des politischen Drucks gelang es diesem, bis 1939 die Landesposaunentage zu besuchen. Danach aber forderte der Krieg so hohen Tribut vom Chor, dass sein Dienst ruhen musste.

Schon im September 1945 nahm der Ulmer Posaunenchor, vom charismatischen Landesposaunenwart Hermann Mühleisen persönlich wiedererweckt, zunächst mit diesem seine Probentätigkeit erneut auf, die dann der bisherige Chorleiter Hans Köhle (seit 1937) nach seiner Kriegsgefangenschaft im November 1945 fortsetzte – für weitere 25 Jahre. Im Frühjahr 1946 konnten bereits 16 Bläser Choräle wieder vom Münsterturm blasen und bald danach, im Juni 1946, beim ersten Nachkriegs-Landesposaunentag aus der Trümmerlandschaft des Münsterplatzes heraus mit den damals 2000 Gleichgesinnten in die Losung „ Jesus Christus herrscht als König“ einstimmen. Dank Hans Köhles Begeisterungsfähigkeit fanden schnell viele Bläser zum Chor, mit dem Köhle über etliche Jahre erstaunlich viele Proben und Auftritte zustande brachte. Probenlokal wurde dann der heutige Gemeinderaum der Pauluskirche in der Frauenstraße, wo zweimal wöchentlich geübt wurde, mit strenger Disziplin und rigiden Anwesenheitskontrollen. Mit unzähligen Auftritten des Ulmer Chors (und auch des 1927 gegründeten Söflinger Posaunenchors unter Albert Keck) gelang es bald, benachbarte Gemeinden zur Gründung eigener Posaunenchöre zu ermuntern. Dank der unermüdlichen Bemühungen Köhles fanden bis in die 50er Jahre hinein viele Buben – erst ab 1954 aber auch Mädchen – als Nachwuchs zum Chor. Gegen Ende der 50er Jahre scheint dann aber die Begeisterung der älteren Bläser merklich ermüdet und damit das Durchschnittsalter im Chor gesunken zu sein, mit unvermeidlichen Qualitätseinbußen für die Chorarbeit.

1970 wechselten Chorleiter und Probenraum: Hans Köhle übergab mit 65 Jahren seinen Stab an den 20jährigen Thomas Heilbronner, und die Paulusgemeinde überließ dem Chor einen neu für ihn eingerichteten Raum im Nordturm der Pauluskirche – mit geräumigem Schrank für die immer umfangreicher werdende Notenbestände. Vermutlich auch wegen der verlockenden Musikangebote in Ulm fanden ab den 80er Jahren immer weniger Kinder und Jugendliche zum Chor. So musste der damals 20jährige Bernd Schmalberger/Kloske, der Thomas Heilbronner 1989 in der Leitung abgelöst hatte, eine schwierige Aufgabe übernehmen: Abgang von Stammbläsern, Nachwuchsmangel, schwindende Disziplin beim Probenbesuch mit der Folge von Einbußen bei Zahl und Qualität der Auftritte. Auch musste sich der Chor jetzt auf Münster und Pauluskirche beschränken; davor hatte er auch in den anderen Ulmer Kirchen Dienst getan. Das Turmblasen musste weitgehend eingestellt werden, doch konnten zusammen mit benachbarten Posaunenchören noch traditionelle „Verpflichtungen“ wie etwa am Vorabend der Landesposaunentage, beim Weihnachtsmarkt oder bei der Christmette im Münster wahrgenommen werden.

Das 100jährige Jubiläum des Chors brachte die erhoffte Wende – wieder mit Jungbläserinnen und Jungbläsern, denen professionelle Ausbildung geboten wurde, zuletzt aber vor allem durch temporäre musikalische Unterstützung durch profilierte Kirchenmusiker, womit der Chor wesentlich an Attraktivität für neue Bläserinnen und Bläser gewann, zuletzt erfreulicherweise auch für Studentinnen und Studenten.

Im Jahre 2006 standen dann gleich zwei Wechsel in der Leitung des Posaunenchores an. Bernd Schmalberger gab nach über 23 Jahren die musikalische Leitung an Philipp Kohler ab und Manfred Maier übergab seine organisatorische Leitung an Florian Vieweg. Zudem ging die erste Version einer Homepage online, um sich einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren zu können. Dank dem Einsatz aus dem Chor, hauptsächlich Florian Kleinert konnte diese Seite im Jahre 2009 überarbeitet werden und bietet den Bläsern und den Fans des Chores nun immer aktuelle Nachrichten und Informationen rund um den Chor.

Im Jahre 2009 und zum Beginn 2010 erfuhr die Arbeit im Posaunenchor einen regelrechten “Boom”. Die Anzahl der Bläser liegt nun bei über 40 aktiven Musikern. Die große Zahl an Bläsern, führte auch zu einem Wechsel des Probenraumes. So wurde im April 2010, durch tatkräftige Unterstützung von Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland und Dekan Ernst Wilhelm Gohl, der große Saal im Haus der Begegnung die neue Probenheimat des Posaunenchores. Der Saal löste damit die andauernde Probenraumthematik und bietet durch seine Größe nun ideale Probenbedingungen für den Chor.

Dort wurde auch der Grundstein für das Konzert “Alles, was Odem hat, lobe den Herrn” zur Eröffnung des 110 jährigen Jubiläums des Posaunenchor Ulms gelegt. Mit diesem und weiteren Konzerten und Gottesdiensten feiert der Posaunenchor seine seit 110 Jahren andauernde Aufgabe der Verkündigung in Ulm und Ulm herum.